Montag, 09 Januar 2017 14:24

03.01.2017 - Arbeitslosenzahl steigt saisonal zum Jahresende

Pressemitteilung

 

Nr. 001 / 2017 - 03. Januar 2017

Sperrfrist: Dienstag, 03. Januar 2017, 09.55 Uhr

 

Arbeitsmarktlage im Kreis Pinneberg - Dezember 2016:

Arbeitslosenzahl steigt saisonal zum Jahresende

 

  • Rückblick 2016: mehr Stellen, mehr Beschäftigte, auch mehr Arbeitslose
  • Herausforderungen 2017 bleiben die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, die Sicherung des Fachkräftebedarfs und die nachhaltige Integration Geflüchteter

 

Dezember 2016

November 2016

Dezember 2015

Arbeitslosenzahl

8.515

8.188

8.380

Arbeitslosenquote

5,0

4,8

5,0

 

Im Kreis Pinneberg waren im Dezember 8.515 Männer und Frauen arbeitslos. Damit ist die Arbeitslosenzahl um 327 Personen oder 4,0 Prozent zum Vormonat gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl um 135 Personen oder 1,6 Prozent angewachsen.

 

Die Arbeitslosenquote1) ist von 4,8 Prozent im Vormonat auf 5,0 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr hatte sie ebenfalls 5,0 Prozent betragen.

 

„Viele witterungsabhängige Betriebe setzten im Dezember Personal frei, auch Saisonaushilfen aus der Produktion und dem Versand meldeten sich verstärkt. Die saisonale Entlassung kann für Unternehmen aber auch zum Bumerang werden, wenn sich die eingearbeiteten Fachkräfte aufgrund des guten Arbeitsmarktes in andere Betriebe/Branchen umorientieren. Unternehmen sollten daher alle Möglichkeiten einer ganzjährigen Beschäftigung, z.B. über Arbeitszeitkonten, prüfen. Betriebe des Baugewerbes, des Dachdeckerhandwerks und des Garten- und Landschaftsbaus können wir bis März mit dem Saison-Kurzarbeitergeld unterstützen", so Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit Elmshorn.

Unternehmen, die berechtigt sind Saison-Kurzarbeitergeld zu beziehen, brauchen dank einer gesetzlichen Neuregelung die Kurzarbeit nicht mehr im Vorwege anzeigen. Es müssen nur noch die Abrechnungsunterlagen eingereicht und Nachweise über den Ausfallgrund bereitgehalten werden. Dies macht die Abwicklung für Unternehmen und Arbeitsagentur einfacher.

 

Von den insgesamt 8.515 Arbeitslosen betreute die Agentur für Arbeit (Arbeitslosenversicherung) im Dezember 3.100. Damit ist die Zahl um 130 Personen oder 4,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Es waren 148 Personen (+5,0 Prozent) mehr als vor einem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet.

 

Beim Jobcenter (Grundsicherung) waren 5.415 arbeitslose Männer und Frauen registriert. Dies waren 197 Personen oder 3,8 Prozent mehr als im November. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl um 13 Personen leicht zurückgegangen (-0,2 Prozent).

 

Im Dezember sinkt die Nachfrage der Unternehmen nach Personal – dies ist eine saisonal übliche Entwicklung. Arbeitgeber gaben dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Elmshorn und des Jobcenters Kreis Pinneberg insgesamt 448 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen neu zur Besetzung auf. Dies waren 96 weniger als im November.

Derzeit sind 2.524 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen von den Unternehmen im Kreis Pinneberg zur Besetzung gemeldet. Das Angebot ist damit zum Vorjahr um 61 Arbeitsstellen zurückgegangen.

 

 

Jahresdurchschnittswerte / Rückblick / Ausblick

 

Um die Entwicklung des Arbeitsmarktes im vergangenen Jahr umfassend einzuschätzen zu können, ist es sinnvoll nicht nur die Dezemberwerte, sondern auch die Jahresdurchschnittswerte – und damit längerfristige Trends - zu betrachten.

 

„Die überwiegend kleinen und mittelständischen Unternehmen in unserer Region ließen sich durch internationale Unsicherheiten nicht beirren. Unser Arbeitgeber-Service konnte im letzten Jahr eine steigende Personalnachfrage verzeichnen. Viele Betriebe haben ihren Personalstamm ausgebaut, die Zahl der Beschäftigten ist im Kreis deutlich gestiegen. Dass es gleichzeitig mehr Menschen gibt, die eine Beschäftigung suchen, ist vorrangig ein Effekt des Zuzugs geflüchteter Menschen“, zog Thomas Kenntemich Bilanz.

„Der Trend könnte sich in diesem Jahr fortsetzen. Während die Beschäftigung auf einem hohen Niveau bleibt, steigt die Arbeitslosenzahl leicht. Die Herausforderungen bleiben die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, die Sicherung des Fachkräftebedarfs und die nachhaltige Integration Geflüchteter. Wir sollten sie auch als Chancen sehen!“

 

Im vergangenen Jahr wurden mit 6.972 gemeldeten Jobangeboten 2,0 Prozent mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen gemeldet. Der Bestand an offenen Stellen in der Jobbörse wuchs um 182 auf jahresdurchschnittlich 2.219.

 

Im Kreis Pinneberg arbeiteten Ende Juni 88.260 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Dies waren 3,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Beschäftigungszuwächse gab es insbesondere im Handel, im Pflegebereich und Erziehungswesen sowie in vielen Dienstleistungsbranchen (z.B. Wach- und Sicherheitsdienste, Gebäudebetreuung, Vermietungswesen). Auch im Baugewerbe und in der Logistik arbeiteten mehr Menschen. Hingegen haben öffentliche Verwaltungen und verarbeitende Gewerbe in den vergangenen Monaten eher Personal abgebaut.

 

Trotz der hohen Personalnachfrage und der wachsenden Beschäftigung ist die Arbeitslosigkeit im Kreis Pinneberg zum Vorjahr leicht angestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren 8.754 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies sind 78 Personen oder 0,9 Prozent mehr als im Jahr 2015.

Im Jahresverlauf meldeten sich im Kreis Pinneberg 9.169 Menschen aus einer Beschäftigung neu arbeitslos. Dies waren 76 mehr als im Vorjahr.

 

Auf die Arbeitslosenquote1 hatte dies keine Auswirkung. Sie beträgt im Jahresdurchschnitt 5,2 Prozent und bleibt damit unverändert zum Vorjahr.

 

Zu den durchschnittlich 8.754 Arbeitslosen kamen im vergangenen Jahr 2.706 weitere Menschen, die ohne Arbeit waren – z.B. weil sie sich derzeit qualifizieren oder vorübergehend arbeitsunfähig sind. Insgesamt 11.460 Personen befanden sich damit im Kreis Pinneberg in Unterbeschäftigung2). Die Unterbeschäftigung ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen - um 517 Personen.

 

Die Unterbeschäftigung ist im vergangenen Jahr vor allem auch gestiegen, weil mehr geflüchtete Menschen sprachlich und beruflich qualifiziert wurden. Im Dezember waren 1.586 aus Krisengebieten geflüchtete Menschen bei Arbeitsagentur und Jobcenter arbeitsuchend gemeldet, nur 432 waren auch als arbeitslos gemeldet. Viele von ihnen haben noch Sprachkurse oder berufliche Vorbereitungslehrgänge besucht. In den kommenden Monaten werden sie verstärkt eine Ausbildung oder Beschäftigung suchen.

 

Mit dem neuen Angebot der integrationsorientierten Praktikumsbörse unterstützt der Arbeitgeber-Service Unternehmen, die neben Schülern und Studierenden auch geflüchteten Menschen eine Möglichkeit geben wollen, sich beruflich zu orientieren.

„Das gegenseitige Kennenlernen von Arbeitgebern und geflüchteten Menschen fällt meist in einem Praktikum leichter. Dann kann festgestellt werden, welche Kenntnisse noch fehlen und welche Unterstützungen nötig sind. Die Zuwanderer erfahren mehr über die hiesigen Arbeitsweisen und erweitern ihre Deutschkenntnisse. Deshalb wünsche ich mir noch mehr Unternehmen, die in der Jobbörse auch ihre Praktikumsplätze für geflüchtete Menschen anbieten. Gemeinsam können wir viele zu Fachkräften entwickeln“, sagte Thomas Kenntemich. Die Mitarbeiter des Arbeitgeber-Service informieren und helfen unter der kostenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20 gerne weiter.

 

Eine weitere Herausforderung bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit – jeder dritte Arbeitslose ist betroffen. Im vergangenen Jahr waren 2.919 Menschen schon ein Jahr oder länger bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter arbeitslos gemeldet. Die Jahresdurchschnittszahl ist damit um 41 zum Vorjahr gestiegen.

„Viele Arbeitslose profitierten leider nicht von den hohen Personalbedarfen der Unternehmen. Oft sind es Alter, Arbeitszeiteinschränkungen oder Gesundheit, die die Arbeitssuche erschweren. Häufig fehlen auch benötigte Qualifikationen. Auf der anderen Seite suchen die Betriebe in unserer Region zunehmend Fachkräfte. Eine gute Qualifikation schützt besser vor Arbeitslosigkeit“, so Thomas Kenntemich.

 

Mit dem Programm Zukunftsstarter werden Arbeitsagentur und Jobcenter in diesem Jahr besonders junge Erwachsene ab 25 Jahren ohne Berufsabschluss bei einer betrieblichen Ausbildung unterstützen. Präventiv werden auch beschäftigte Geringqualifizierte und ältere Arbeitnehmer mit dem Sonderprogramm „WeGebAU“ unterstützt.

 

Die Online-Services wird die Bundesagentur für Arbeit kontinuierlich ausbauen. Jeder dritte Arbeitslosengeldantrag wurde 2016 im Agenturbezirk Elmshorn bereits online eingereicht. Neben den bereits vorhandenen vielfältigen Informationsangeboten und Formulardiensten soll es zukünftig noch besser möglich sein, interaktiv die eigenen Daten zu verwalten, den Bearbeitungsstand zu sehen oder mit den Ansprechpartnern in Kontakt zu treten. Dies wird die Transparenz für die Kunden erhöhen und kann künftig manchen Behördengang ersparen.

 

 

_____________________________________________

  1. Arbeitslose in Prozent aller zivilen Erwerbspersonen

  2. Die Zahl der Unterbeschäftigten erfasst neben den Arbeitslosen beispielsweise auch Personen in Qualifizierungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten (1-Euro-Jobs), Krankgeschriebene, geförderte Existenzgründer und Arbeitsuchende mit Vorruhestandsregelungen. Die aktuellen Werte sind vorläufig und hochgerechnet. Endgültige Werte zur Unterbeschäftigung stehen erst nach einer Wartezeit von drei Monaten fest.


 

Unser gesamtes Statistikangebot finden Sie hier.